Statement zu den Debatten um den Anschlag auf den CSD in Berlin
vom berlinweiten Arbeitskreis Queere Jugendhilfe
„Gerade jetzt braucht es Queere Jugendarbeit! – Solidarität statt leerer Worte“
Berlin, 29. Juli 2026
Die Ereignisse des letzten Samstags haben uns erschüttert, wütend und traurig zurückgelassen. Doch statt Raum für Trauer und Solidarität zu finden, müssen wir uns sofort verteidigen – gegen Stimmen aus der sogenannten Mitte bis hin zu (extrem) rechten Kreisen, die den Tod eines Menschen für ihren rassistischen und antimuslimischen Hass instrumentalisieren. Diese gleichen Stimmen, die seit Jahren gegen queere Menschen hetzen, CSDs angreifen und unsere Rechte systematisch beschneiden, geben sich jetzt als Verteidiger*innen von Freiheit und Demokratie.
Doch wo waren sie, als es darum ging, das Selbstbestimmungsgesetz nach unseren Bedürfnissen durchzusetzen?
Wo waren sie, als die Regenbogenflagge verunglimpft und queere Einrichtungen finanziell ausgezehrt wurden?
Unsere Antwort ist klar: Eure leeren Worte reichen nicht.
Die Realität queerer Menschen
Die Angriffe auf queere Menschen – ob von Neonazis, Islamist*innen oder konservativ-religiösen Fundamentalist*innen – zeigen: Unser Leben wird von mehreren Seiten bedroht. Doch statt Schutz und Unterstützung zu erfahren, sehen wir uns mit Entsolidarisierung konfrontiert. Die Debatten der letzten Monate – um Flaggen, Budgetkürzungen, die Sichtbarkeit queerer Jugendlicher – senden ein fatales Signal:
Queeres Leben ist verhandelbar. Das ist inakzeptabel!
Queere Jugendarbeit rettet Leben
Queere Jugendarbeit ist für (queere) Jugendliche da und orientiert sich an deren Bedürfnissen. Unsere Jugendzentren, Anti-Gewalt-Beratungen und Wohngruppen sind Schutzräume für junge Menschen, die sonst nirgends hin können. Doch genau diese Angebote werden seit Jahren massiv gekürzt – von denselben Politiker*innen, die jetzt plötzlich Solidarität bekunden.
Das ist Heuchelei.
Echte Solidarität bedeutet:
- Ausfinanzierung queerer Jugendarbeit – ohne Kürzungen, ohne Wenn und Aber.
- Gesetzliche Stärkung von körperlicher und reproduktiver Selbstbestimmung.
- Verankerung von Vielfalt in der Pädagogik – von der Kita über die Schule bis hin zu Studium und Ausbildung.
- Schutz vor Gewalt durch Anti-Mobbing-Programme und sichere Räume für marginalisierte Gruppen.
Unsichtbare Stimmen sichtbar machen
Queere Jugendliche mit Migrationsgeschichte und muslimische Queers sind in dieser Debatte besonders unsichtbar – dabei sind sie Teil unserer Community. Ihre Stimmen müssen gehört, ihre Bedürfnisse müssen adressiert werden. Religiöse und kulturelle Vielfalt gehören zu queerer Jugendarbeit dazu.
Unsere Forderungen:
Schluss mit der Vereinnahmung unseres Schmerzes für politische Zwecke!
Schluss mit der Kriminalisierung von Migration unter dem Deckmantel der Sicherheit!
Investiert in unsere Arbeit – jetzt!
Quids-Plus² – Queere Kids in Marzahn und Umgebung (Dissens – Pädagogik und Kunst im Kontext gGmbH)
Q*topia – Queere Jugendarbeit in Reinickendorf d’accord gGmbH (Hilfen zur Erziehung)
Queerformat e.V.


















